Entstehung

Die Budo-Sportschule Stuttgart (nachfolgend nur kurz BSS genannt) war nicht immer ein gemeinnütziger Verein, wie heute. Angefangen hat die Existenz der BSS als Privatschule für Selbstverteidigung im Jahre 1983. Damals war die Sportschule unter der Leitung von Meister Francisco Alves in der Hauptstätter Str. 35, im Stuttgarter Zentrum ansässig. Die Sportschule hatte eine Gesamtfläche von ca. 100 m². Diese entfielen auf die verschiedenen Bereiche wie folgt: Ca. 46 m² für den Trainingsraum (es gab nur einen). Weitere 11 m² für das Büro, welches man nur über das Treppenhaus erreichen konnte, weil es zwar auf dem gleichen Stockwerk (3. Stock) lag, aber dennoch genau gegenüber im anderen Hausflügel. Die restliche Fläche nahmen dann die Umkleiden, die Toilette und eine winzige Teeküche in Anspruch. [Hier eine Bildergalerie von damals] Unser heutiger Großmeister (= jap. Sensei) Marcel Ganze hat im April 1984 genau dort mit dem Kampfsporttraining angefangen.
Ältestes Foto aus der BSS (aus dem Jahr 1985)

Ältestes Foto aus der BSS (aus dem Jahr 1985)

Kurze Zwischenbemerkung:

Wie Sie im Laufe dieser Geschichte erfahren werden, ist die Geschichte der BSS unmittelbar mit dem Leben und Wirken des Sensei Marcel Ganze verbunden. Daher nachfolgend die Geschichte der BSS aus der Sicht des Großmeisters / Auszug aus seinen Memoiren.
Als ich, Marcel Ganze am 16.4.1984 in die BSS eintrat, hieß der damalige Inhaber noch Francisco Alves und die angebotenen Sportarten nannten sich Anti-Terrorkampf (=ATK, eine Form der Selbstverteidigung) und Taekwon-Do (=Wettkampfsport). Ich entschied mich damals für ATK. Nach einigen Monaten hartem, schweißtreibenden Trainings fand eine sogenannte Gürtelprüfung in der BSS statt. Zu dieser Prüfung war auch ein gewisser Vincenzo Avella, als Prüfer eingeladen worden. Zuerst empfand ich eine gewisse Befangenheit, die von diesem “Fremden” ausging, aber als dieser “kleine Italiener” (Herr Vincenzo Avella) eine winzige Demonstration seines Könnens zeigte, verflogen alle meine Zweifel blitzartig. Denn so etwas hatte ich bis dato noch nie gesehen. Er stand plötzlich auf und erklärte einem Meisteranwärter der gerade seine Prüfung zum schwarzen Gürtel machte, wie er ein bestimmtes Element der Fallschule richtiger weise zu machen habe. Da dieser ihn wiederum nur völlig entgeistert und mit großen Augen anstarrte, führte Herr Avella (ohne sich irgendwie davor vorbereitet, geschweige denn sich aufgewärmt zu haben) diese spezielle Falltechnik vor: es handelte sich dabei um einen sog. doppelten Faustüberschlag. Bei dieser Falltechnik geht der Ausübende in einen Handstand auf den Fäusten und zieht dann plötzlich – im Moment des nach vorn Überkippens – die Fäuste raus und landet mit einem Ruck auf den Schulterblättern und den Zehenspitzen, während die Arme neben dem Körper hart auf den Boden abschlagen.
Nachdem ich das gesehen hatte, war ich von diesem Meister überzeugt. Bei dieser Gelegenheit wurde dann auch noch bekannt gegeben, dass Herr Avella die BSS ab sofort übernehmen werde. Ich war so sehr von seiner Leistung und seinem Auftreten beeindruckt, dass ich mir damals schwor, bei ihm zu bleiben. Und zwar mindestens so lange, bis ich das eben gesehene auch könnte. Also begann ich noch einmal von vorne. Wieder mit dem weißen Gürtel, aber diesmal in der Sportart Kempo Jitsu Karate. Bereits am 14.12.1984 konnte ich meine erste Prüfung in der Sportart „KEMPO JITSU KARATE“ ablegen. In den folgenden Jahren trainierte ich, wie mir mein Meister immer wieder bestätigte fast schon „beängstigend euphorisch“ und legte eine Prüfung nach der anderen ab:
  • am 22.03.1985 Prüfung zum Gelb-Gurt in Kempo Jitsu Karate
  • am 26.07.1985 Prüfung zum Orange-Gurt in Kempo Jitsu Karate
  • am 14.12.1985 Prüfung zum Grün-Gurt in Kempo Jitsu Karate
  • am 04.10.1986 Prüfung zum Blau-Gurt in Kempo Jitsu Karate
  • am 04.10.1986 Prüfung in Nahkampf mit erreichen des 1. Nahkampfgrades
  • am 19.02.1988 Prüfung zum Braun-Gurt in Kempo Jitsu Karate
  • am 24.04.1991 Prüfung in Nahkampf mit erreichen des 2. Nahkampfgrades

Am 18. Mai 1991 war dann wieder ein großer Tag für mich. Der Tag meiner eigenen Meisterprüfung. Diese Prüfung war so, wie sie sein muss und hatte es in sich:

  • Fallschule
  • Techniken (gelb- bis braun-Gürtelprogramm = 76 Techniken)
  • Techniken (schwarz-Programm = 26 Techniken)
  • Freitechniken (eigene Kreationen = 50 Techniken)
  • Nahkampftechniken (vom 1. + 2. NK-Grad = 16 Techniken)
  • Mehrkampf (gegen 3 zum Teil bewaffnete Angreifer, die immer und immer wieder angreifen; 2 Minuten lang)
  • Schwertkata (Meisterform mit dem Schwert gegen imaginäre Gegner nach festgelegter Form)
  • Schwertkata (gleiche Form, gegen 4 reale Schwertkämpfer)
  • Freikampf (2 Minuten einen schönen Semikontakt-Freikampf (Kickboxen) mit einem Partner)
  • Bruchtest (Insgesamt 3 Bretter: 2 Kleine, ein Großes. Nach eigener Wahl)
  • Aufnahme in die Meisterriege durch die anwesenden Meister- und Großmeister.

Nach etwas über 90 Minuten, war dann alles geschafft. Und ich durfte mich von nun an Meister nennen. Folgende Meister haben meine Prüfung abgenommen und offiziell mit anerkannt:

Vincenzo Avella, Tirenzio Deiana, Ali Guenduez, Siegfried Micul, Salvatore Micieli, Wolfgang Heinrich, Ingo Huber, Ingo Hutschenreuter und Dieter Schneckenburger.

Meisterprüfung von Marcel Ganze am 18.05.1991

Gruppenbild von der Meisterprüfung vom 18.5.1991

 

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Weitere Bilder

Kurze Zeit später wurde ich von meinem Meister Vincenzo Avella gefragt: „Marcel, Du bist mein bester Schüler und nun ein richtiger Meister. Könntest Du Dir vorstellen – nur mal so – eine eigene Sportschule zu führen?“ (Zitat aus dem Jahre 1991). Ich war verwundert und erwiderte: „Schon seit einiger Zeit war es mein Wunschtraum, einmal eine eigene Schule zu leiten. Gerne würde ich all mein erlerntes Wissen an Menschen, die es benötigten und auch zu würdigen wüssten, weiter geben.“ Es kam zu mehreren privaten Treffen und nach nur wenigen Wochen stand es fest: Wir fanden einen Weg, um alles zu regeln. Und so wurde ich zum 1.10.1991 der Inhaber der BSS. Zu dieser Zeit befand sich die BSS immer noch in der Hauptstätter Str. 35 in Stuttgart-Mitte (Nähe Bohnen-/Leonhardsviertel). Vincenzo Avella blieb weiterhin in der BSS aber in der Funktion des obersten Cheftrainers. Im Januar 1998 entschloss ich mich die BSS zu vergrößern. Sofort begann ich meinen Plan in die Tat umzusetzen und legte zwischendrin noch die Prüfung zum 3. Nahkampfgrad ab. Nach ersten Verzögerungen und einigen Rückschlägen, entstand bis zum Januar 1999 dann die neue Budo-Sportschule Stuttgart, in der Heinrich-Baumann-Str.; in Stuttgart-Ost. Dort entstand die seinerzeit größte private Kampfsportschule Stuttgarts, die mehrfach zur schönsten und modernsten Kampfsportschule Europas ausgezeichnet wurde:

  • Große, superhelle Räumlichkeiten (Gesamtfläche über 580 m²)
  • 2 getrennte Mattenflächen (insgesamt über 250 m²)
  • riesige Spiegelwand (über 12 m breit)
  • modernste, hygienische Sanitärbereiche mit insgesamt 12 Duschen und 4 Fußwaschbecken (!), die speziell für uns geplant und realisiert wurden
  • absolut gehobenes Ambiente auch im Empfangs-/Thekenbereich mit Sprudel- und Saftbar
  • und noch Vieles mehr. [Hier eine kleine Bildergalerie der damaligen BSS zur Erinnerung]

Am 21.02. und 22.02.1999 fanden die großen Eröffnungsfeierlichkeiten statt. Anlässlich dieser absolvierte Meister Marcel Ganze weitere Meisterprüfungen:

  • am 21.02.1999 die 2. DAN Meisterprüfung in Kempo Jitsu Karate und Kickboxen, sowie
  • am 22.02.1999 die Prüfung zum 4. Nahkampfgrad
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Gleichzeitig erhielt ich die höchste japanische Auszeichnung von Masafumi Suzuki, 10. DAN Karate-Do(in Vertretung durch Vincenzo Avella), indem ich in die Riege der „Ehrenwerten“ aufgenommen wurde. Als Zeichen dafür wurde mir die goldene Anstecknadel der ALL JAPAN BUDO FEDERATION SEIBUKAN ACADEMY verliehen. Diese neue und auch wesentlich größere Sportschule war sehr erfolgreich. Marcel Ganze begründete auch ein hochkarätiges Demo-Team, das zahlreiche Auftritte und Engagements hatte. [In der Galerie haben wir noch Archivbilder und Videos vom damaligen Demo-Team] Am 23.08.2003 legte Marcel Ganze die Prüfungen zum 3. Dan in Kempo Jitsu Karate und im Kickboxen bei seinem Meister Vincenzo Avella in Italien, ab. Und tags darauf, am 24.08.2003 die Prüfung zum 5. Nahkampfgrad. Auch die Mitglieder der BSS (vor allem auch die der Kickbox-Wettkampfmannschaft) waren wesentlich erfolgreicher als bis dato. Als aber der Vermieter Anfang 2006 gezwungen, durch allerlei Auflagen des Baurechtsamts der Landeshauptstadt Stuttgart, keine andere Wahl mehr hatte bzw. sich nicht mehr anders zu helfen wusste, außer den Mietvertrag mit der BSS und Marcel Ganze zum 31.12.2006 zu kündigen, mussten wir abermals umziehen. Dank der Unterstützung durch „NESTWERK“ fanden wir im Ruppert-Mayer-Haus in der Hackstr. unser neues „Zuhause“. Und die heutigen Räumlichkeiten sind wirklich eine Augenweite. Ein Besuch lohnt sich. Was Sie hier erwartet, können Sie erahnen, nachdem Sie die Seiten „Die Schule heute“ und „Ausstattung“ gelesen haben. Ergänzend sei erwähnt, dass Marcel Ganze am 07.04.2007 seine Meisterprüfungen zum 4. Dan in Kempo Jitsu Karate und zeitgleich auch in Kickboxen abgelegt hat.